Als erstes Kapuzinerkloster der Schweiz
im Jahre 1535 gegründet

Als erstes Kapuzinerkloster der Schweiz im Jahre 1535 gegründet, nur ein Jahrzehnt nach der kapuzinischen Reform, war das Kloster von Bigorio ein Zeichen seiner Zeit, ein treuer Interpret der katholischen Erneuerung. 1577 wurde seine neue Kirche vom mailändischen Erzbischof Karl Borromäus eingeweiht. Lange Zeit war der Ort ein Zentrum des Kapuzinerlebens und beherbergte auch mehrmals das Ordenskapitel. In diesem Geist und auf Grund seiner Besonderheiten wurde das Kloster später der Aufnahme von Jugendlichen gewidmet, die hier das erste Jahr ihres geistlichen Lebens verbrachten. 1659 wurde das Kloster erstmals vergrössert. 1688 fügte man dem Klosterbau ein weiteres Stockwerk hinzu, und bei der Gesamtrenovation des Jahres 1767 schliesslich erwarb die Anlage ihr heutiges bauliches Gepräge.

Das Zweite Vatikanische Konzil gab der Tätigkeit des Klosters eine neue Richtung. Es wurde 1966 vollständig restauriert, um es in eine Stätte religiöser, geistiger und kultureller Bildung umzuwandeln. Daneben muss die Kapelle erwähnt werden, ein Jugendwerk des Architekten Mario Botta.

Diese Tätigkeit und Öffnung haben den Ruf des Klosters weit über die regionalen Grenzen hinausgetragen und es zum Zielort mancher Gruppen und Einzelpersonen gemacht, während es für seine unmittelbare Umgebung weiterhin ein geistiger und kultureller Bezugspunkt bleibt.

In der Nacht des 6. Februars 1987 wurde die Klosteranlage durch einen Brand teilweise zerstört und schwer beschädigt. Um den Wiederaufbau und Verbesserungsarbeiten zu gestatten, die eine grosszügige Hilfe seitens zahlreicher Personen und Körperschaften möglich machte, wurde die Tätigkeit des Klosters vorübergehend eingestellt. Am l. Oktober 1988 wurde diese Tätigkeit vollumfänglich wieder aufgenommen. Seit jener Zeit kommen pro Jahr ca. 1500 Personen für Seminare, Kurse und Tagungen als Gäste in das Kloster.

Heute sind drei Kapuzinerbrüder im Kloster anwesend: Bruder Michele Ravetta, Leiter und Gefängniskaplan, Bruder Roberto Pasotti, Vikar und verantwortlich für den Empfang der Gäste, und Bruder Ugo Orelli, Verantwortlicher für die spirituelle Bildung.

Ein ideales Umfeld für die Durchführung von Seminaren
und kulturellen Treffen

Auf Grund der spezifischen Merkmale des Orts, seiner Stille und seiner natürlichen Umgebung finden Gruppen im Kloster von Bigorio einen idealen Rahmen für die Durchführung ihrer Tätigkeiten: Seminare, kulturelle Begegnungen, religiöse Bildungs- und Meditationskurse, Studientage usw. Das Kloster stellt zur Verfügung:

  • drei Konferenzsäle mit modernen Hilfs- und Unterrichtsmitteln;
  • die alten Zellen der Kapuzinerbrüder;
  • Pausenräumlichkeiten zur Pflege der zwischenmenschlichen Kontakte und für gesellige Momente;
  • die Kapelle, ein Jugendwerk des Architekten Mario Botta;
  • die Kirche, ein typisches Beispiel der franziskanischen Architektur und Ausstattung;
  • den Klostergarten, der zu den schönsten Aussichtspunkten der Voralpen zählt.

Das Kloster Bigorio ist ein Seminarhaus für Kurse und Tagungen. Universität, öffentliche und Privatinstitute, Firmen und Gruppen führen jedes Jahr ihre Seminare und Tagungen bei unserer Struktur durch.

Die Kirche Santa Maria Assunta

Die Klosterkirche Santa Maria Assunta ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt und wurde im Jahre 1577 geweiht. Im Innenraum können der Rokokoaltar von 1743 und ein Renaissance-Altarbild aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts bewundert werden. Es handelt sich um ein Gemälde auf einem Untergrund aus Eichenholz. Dieses Bild von bemerkenswerter Qualität zeigt die Madonna mit Kind vor einer Landschaft im Hintergrund. Nach der Tradition soll es sich dabei um ein Geschenk des Königs von Sardinien an einen Höfling handeln, der Kapuzinermönch wurde.

Im Mönchschor befindet sich ein bemaltes Kreuz aus dem 13. Jahrhundert, das der Schule des Giunta Pisano zugeschrieben wird.

Im Jahr 2012 hat der Sammler Kurt Spirig dem Kloster von Bigorio ein 1,73 Meter hohes Holzkreuz mit einer Christusskulptur geschenkt, das auf die Zeit zwischen dem Ende des 13. und dem Beginn des 14. Jahrhunderts datiert wird.

Die Klosterbibliothek Bigorio

Die Bibliothek besteht aus zwei Räumen. Der erste Raum vermittelt den fast unverfälschten Eindruck einer kleinen Klosterbibliothek der Franziskaner aus dem 18. Jahrhundert. Die Bücher sind in Regalen angeordnet, die die Wände komplett bedecken. An den Regalböden sind Streifen aus grauer Leinwand befestigt, die den oberen Teil der Bücher abdecken und auf die Signaturen geschrieben sind. Die Mitte des Raums wird durch einen schönen Tisch aus Nussbaumholz und sieben lederbezogene Stühle eingenommen, während der Fussboden mit Ziegelsteinen bedeckt ist. Der älteste heute noch verwahrte Katalog stammt, wie bereits erwähnt, aus dem Jahr 1778. In der Chronik wird der Bau der Bibliothek am Ende des Jahres 1688 erwähnt; Bücher waren gemäss der Chronik jedoch auch schon vorher vorhanden, aber gerade die Notwendigkeit, sie in einem eigens eingerichteten Raum aufzubewahren, lässt darauf schliessen, dass ihre Menge bereits beträchtlich war. Den umfassendsten und qualitativ wertvollsten Buchbestand bilden die Bände des 18. Jahrhunderts, vor allem aus dem zweiten Drittel des Jahrhunderts. Dieses deckt sich mit der Zeit der grössten, zumindest weltlichen Blüte des Klosters, seiner architektonischen Erneuerung und Wiederbelebung. Im sozial-historischen Kontext deckt sich dieser Zeitraum mit dem langsamen, aber stetigen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg, den die Schweizer Vogteien (und insbesondere jene von Lugano) im gleichen Zeitraum nahmen. Zu diesem Aufstieg trug die Tatsache bei, dass einige Mitglieder von Patrizierfamilien aus Lugano in den Kapuzinerorden eintraten und durch ihn zu hohen kirchlichen Ämtern gelangten (Lepori, Neuroni, Luvini, Fraschina). Viele der besten Bücher der Bibliothek tragen eine Notiz zum Erwerb oder Besitz, der auf einen dieser Namen verweist.

Im Jahre 1721 bot ein Wohltäter ein Werk an, das Theatrum Vitae Humanae in acht Bänden. Auch der Preis wird abgegeben: 136.10 Lire.

Es handelt sich dabei sicherlich um das Theatrum des Lorenzo Beyerling (ein sehr gutes Repertorium des 16. Jahrhunderts, das sehr oft nachgedruckt wurde), das später im Katalog von 1778 erwähnt wird. Im Jahre 1722 wird der Kauf des „Buchs des Kardinals Ugone“ vermerkt, zusammen mit dem Erwerb des Psalters für den Chor, wobei das letztere 34 Lire und das erste 100 Lire kostete. Der Psalter ist in der Sakristei noch in einer Ausgabe aus Venedig vorhanden (Paolo Baglione 1716), ebenso das andere Werk, der berühmte Bibelkommentar in der Ausgabe aus Venedig, N. Pezzana, 1703, in 8 Bänden. Dieses sind Kleinigkeiten, die jedoch Interesse wecken, da sie den sehr langsamen, aber stetigen Anstieg des Bibliotheksbestands bezeugen, und somit ein lebendiges Bild darüber abgeben, wie diese bescheidenen, jedoch nicht zu verachtenden Sammlungen entstanden sind. Besonders wertvoll sind die Hinweise zu den Kosten, da Bücher in dieser Region extrem selten waren.

Es folgen weitere Kuriositäten aus der Chronik. Im selben Jahr 1724 wurden die Leinwandstreifen an den Regalböden befestigt; das aktuelle Material wurde sicherlich später angebracht, da der Raum für die Bücher komplett restauriert wurde. Aus jener Zeit stammt eine Anordnung in Bigorio, mit der die Bücher vor Staub geschützt werden sollten; dieses Vorgehen ist bei den Kapuzinern sehr verbreitet und gibt unseren Bibliotheken ein besonders elegantes Aussehen. Aus derselben Zeit eine weitere Notiz: die Bücher wurden in Pergament gebunden (so wie es heute noch sind). Aus diesen Mitteilungen erfahren wir, dass das das aktuelle Aussehen der Bibliothek trotz Veränderungen beim Ort und bei der Anordnung auf die ersten Jahre des 18. Jahrhunderts zurückgeht, auf die Zeit vor dem vollständigen Umbau des Gebäudes.

– P. Giovanni Pozzi